Jahresbericht
Jahresbericht 2025: Freiwilligenarbeit - Engagement, das trägt
Lesen Sie, wie vielfältig die Kirchgemeinden unterwegs waren
Editorial
Rudolf Beyeler, Präsident des Kleinen Kirchenrats
Geschätzte Leserinnen und Leser
Geschätzte Leserinnen und Leser
Kirche lebt von Menschen, die sich einbringen. Von Mitarbeitenden, Pfarrerinnen und Pfarrern, Behördenmitgliedern – und in ganz besonderer Weise von den vielen Freiwilligen, die mit ihrer Zeit, ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem Herzblut kirchliches Leben möglich machen.
Der Jahresbericht 2025 stellt deshalb die Freiwilligenarbeit in den Mittelpunkt. Freiwillige engagieren sich in Gottesdiensten, an Festen und Veranstaltungen, in Besuchsdiensten, in Kommissionen und Kirchgemeinderäten, in Projekten mit Kindern und Jugendlichen, in der Begleitung von Menschen und an vielen weiteren Orten. Manche Aufgaben sind sichtbar, andere geschehen im Hintergrund. Gemeinsam ist ihnen: Sie tragen dazu bei, dass Kirche nahe bei den Menschen bleibt.
Freiwilligenarbeit ist für unsere Kirche nicht einfach eine wertvolle Ergänzung. Sie gehört zu ihrem Wesen. Ohne freiwilliges Engagement wäre Kirche ärmer, leiser und weniger vielfältig. So sagt Frau Sonja Bossart im Interview: „Mit Freiwilligen wird sie lebendig, farbig und konkret. Sie bleibt verbunden mit den Quartieren, mit den Generationen und mit den Fragen des Alltags.“
Wie Sonja Bossart im Interview in diesem Jahresbericht deutlich macht, verändert sich freiwilliges Engagement. Viele Menschen möchten sich heute eher projektbezogen einbringen, überschaubar und mit klar erkennbarem Sinn. Sie suchen Gemeinschaft, möchten wirksam sein, Neues lernen und etwas zur Gesellschaft beitragen. Für die Kirche ist dies eine Chance. Wenn wir Freiwillige ernst nehmen, gut begleiten und ihnen echte Mitgestaltung ermöglichen, stärken wir nicht nur einzelne Angebote, sondern auch die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche.
Das Jahr 2025 hat eindrücklich gezeigt, wie viel durch gemeinsames Engagement möglich wird. Die Fusionsabstimmung vom 18. Mai war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur neuen Kirchgemeinde Bern. Das stadtweite Kunstprojekt «Da stuunsch!» brachte Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen Kirchgemeinden zusammen. Der gesamtstädtische Gottesdienst, die Bau- und Infrastrukturprojekte sowie die Entscheide des Grossen Kirchenrats machten sichtbar, dass kirchliches Leben immer dort Gestalt annimmt, wo Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln.
Allen, die sich im vergangenen Jahr in unserer Gesamtkirchgemeinde engagiert haben, danke ich herzlich: den Freiwilligen, den Mitarbeitenden, den Pfarrerinnen und Pfarrern, den Mitgliedern der Behörden sowie allen Kirchenmitgliedern, die unsere Kirche mittragen und mitgestalten. Ihr Engagement ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit – mit unserer Kirche, mit den Menschen in Bern und Bremgarten und mit einer Gesellschaft, die Orte der Begegnung, der Solidarität und der Hoffnung braucht.
Interview mit Sonja Bossart, Fachbeauftragte refbejuso
„Kirche mit Freiwilligen ist farbig, lebendig, vielfältig und nahe bei den Menschen“
Freiwillige leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum kirchlichen Leben. Sie bringen Zeit, Fähigkeiten, Erfahrung und Herzblut ein – und prägen so das Gesicht der Kirche entscheidend mit. Im Gespräch gibt Sonja Bossart, Fachbeauftragte Freiwilligenarbeit bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Einblick in Bedeutung, Motivation und Zukunft des freiwilligen Engagements.
Freiwilligenarbeit ist für die Kirche kein Zusatzangebot, sondern ein tragendes Element. Ohne Freiwillige wäre kirchliches Leben kaum denkbar. Menschen jeden Alters engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen: in Gottesdiensten, Besuchs- und Begleitdiensten, bei Projekten und Festen, in Kommissionen und Räten oder ganz praktisch im Alltag der Kirchgemeinden. Dieses breite Engagement macht Kirche lebendig und nah bei den Menschen.
Was Menschen bewegt, sich freiwillig einzubringen, ist gut erforscht – und zeigt sich auch in der Praxis. Menschen engagieren sich dort, wo sie Sinn erleben, Gemeinschaft finden und spüren, dass ihr Einsatz etwas bewirkt. Freiwilligenarbeit ermöglicht soziale Einbindung, persönliches Lernen und Mitgestaltung. Gerade für Menschen, die neu an einem Ort sind, kann ein Engagement ein wichtiger Zugang zur Gemeinschaft sein.
Gleichzeitig verändert sich freiwilliges Engagement. Die Gesamtzahlen bleiben in der Schweiz stabil, doch die Formen wandeln sich. Viele Menschen engagieren sich heute lieber projektbezogen, zeitlich begrenzt und mit Mitbestimmungsmöglichkeiten. Gesellschaftliche Entwicklungen wie Flexibilität, Mobilität und Digitalisierung prägen auch die Freiwilligenarbeit und fordern die Kirche heraus, passende Rahmenbedingungen zu schaffen.
Entscheidend für gelingende Freiwilligenarbeit sind persönliche Ansprache, klare Begleitung und Wertschätzung. Die meisten Menschen engagieren sich, weil sie direkt angesprochen werden. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten, eine gute Einführung, regelmässiger Austausch sowie ein bewusster Abschluss eines Engagements. Eine gelebte Kultur der Wertschätzung stärkt die Motivation und macht freiwilliges Engagement nachhaltig.
Mit Blick in die Zukunft bleibt Freiwilligenarbeit zentral – für die Kirche und für das gesellschaftliche Zusammenleben. Sie trägt dazu bei, dass Kirche relevant, offen und nahe bei den Menschen bleibt.
Hier können Sie das vollständige Interview lesen:
Bedeutung der Freiwilligenarbeit für die Kirchgemeinde
Zahlen, Hintergründe und Entwicklungen zur Freiwilligenarbeit in der Schweiz finden Sie unter:
www.freiwilligenmonitor.ch
Fusionsabstimmung vom 18. Mai 2025
Für Kirchgemeinden, die sich an ihren Versammlungen gegen die Fusion ausgesprochen hatten, wurde eine verbindliche Beitrittsfrist festgelegt. Parallel dazu begann im Verlauf des Jahres 2025 die Umsetzungsphase.
Dem Entscheid ging eine intensive Zeit des Austauschs voraus. In den Monaten vor der Abstimmung fanden zahlreiche Informationsanlässe, Gespräche und Kirchgemeindeversammlungen statt. Dabei ging es nicht nur um formale Fragen, sondern vor allem um die Zukunft der Kirche in Bern: um Nähe zu den Menschen, um Mitwirkung und um die Frage, wie kirchliches Leben auch langfristig gut gestaltet werden kann. Viele Mitarbeitende, Freiwillige, Kirchgemeinderäte und kirchliche Gremien waren in diesen Prozess eingebunden und trugen ihn aktiv mit.
Mit dem positiven Abstimmungsergebnis wurde der Weg für die neue Kirchgemeinde Bern grundsätzlich frei. Zugleich wurde deutlich: Die Fusion bedeutet keinen Verlust der lokalen Verankerung. Die Kirchgemeinden – künftig Kirchenkreise – behalten auch in der neuen Struktur viel Eigenständigkeit und bleiben verantwortlich für das kirchliche Leben vor Ort. Gleichzeitig eröffnet die neue Organisation die Möglichkeit, Kräfte zu bündeln, Abläufe zu vereinfachen und gemeinsame Anliegen stärker zu verfolgen.
Im weiteren Verlauf des Jahres 2025 begann die Umsetzungsarbeit. Strukturen, Zuständigkeiten, Abläufe und Kommunikationswege wurden überprüft und weiterentwickelt. Diese Phase brachte Veränderungen mit sich und forderte von allen Beteiligten Offenheit, Geduld und zusätzliche Arbeit neben dem Alltag. Zugleich entstand Raum für Neues und für eine Kirche, die sich gemeinsam auf die Zukunft ausrichtet.
Rückblickend war die Fusionsabstimmung mehr als ein formaler Entscheid. Sie markierte einen bewussten Schritt hin zu einer zukunftsfähigen Organisation der reformierten Kirche in Bern – mit dem Ziel, nahe bei den Menschen zu bleiben, verlässlich präsent zu sein und kirchliches Leben gemeinsam weiterzuentwickeln.
«Da stuunsch!» – ein stadtweites Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche
Unter dem Titel «Da stuunsch!» fand am 13. September 2025 ein grosses stadtweites Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche statt. Rund 900 Menschen kamen zum öffentlichen Fest zusammen und erlebten auf dem Kornhausplatz und in der Französischen Kirche, was entsteht, wenn junge Menschen Raum für Kreativität und Ausdruck erhalten.
Im Zentrum von «Da stuunsch!» stand die künstlerische Arbeit von Kindern und Jugendlichen aus allen 11 Kirchgemeinden. In zahlreichen Workshops hatten sie sich über längere Zeit mit der Frage auseinandergesetzt, was sie zum Staunen bringt. Dabei entstanden vielfältige Kunstwerke: Bilder, Objekte, Installationen und Gemeinschaftsarbeiten. Am Festtag wurden diese Werke ausgestellt und machten das hohe Engagement, die Fantasie und die Ausdruckskraft der jungen Beteiligten sichtbar.
Das Kunstprojekt wurde ergänzt durch kreative Mitmachangebote, musikalische Beiträge und eine offene, lebendige Atmosphäre. Begegnungen ergaben sich ganz selbstverständlich – zwischen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Kirchgemeinden und Quartieren. Ein vielfältiges kulinarisches Angebot lud zum Verweilen ein und machte das Fest auch zu einem Ort des Austauschs.
«Da stuunsch!» war zugleich ein starkes Zeichen der Zusammenarbeit über Kirchgemeindegrenzen hinweg. Alle Kirchgemeinden beteiligten sich aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des Projekts. Das Fest zeigte eindrücklich, was eine Gesamtkirchgemeinde ausmacht: Vielfalt, Partizipation und Freude am gemeinsamen Gestalten.
Als Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche machte «Da stuunsch!» sichtbar, wie Kirche jungen Menschen Raum gibt – für Kreativität, für Mitwirkung und für gemeinsames Erleben. Der Anlass wirkte über den Festtag hinaus und bleibt als lebendiges Beispiel für stadtweites kirchliches Engagement in Erinnerung.
Das Video zu «Da stuunsch!» fängt die besondere Stimmung des Festes ein. Es zeigt kreative Momente von Kindern und Jugendlichen, lebendige Begegnungen auf dem Festgelände und die Vielfalt der Kirchgemeinden in Bildern. Eindrücklich wird spürbar, wie Gemeinschaft, Freude und gemeinsames Kirchesein an diesem Tag gelebt wurden.
Gemeinsam feiern – gesamtstädtischer Gottesdienst 2025
Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war der gesamtstädtische Gottesdienst vom 14. September 2025. Er stellte den feierlichen Abschluss des Kunstprojekts für Kinder und Jugendliche «Da stuunsch!» dar und verband kreatives Schaffen mit gemeinsamer Spiritualität.
Zahlreiche Kirchgemeinden gestalteten den Gottesdienst aktiv mit. Unter anderem flossen die Kunstwerke vom Vortag in die Feier ein, ergänzt durch musikalische Beiträge und liturgische Impulse aus verschiedenen kirchlichen Kontexten. Dadurch entstand ein Gottesdienst, der Vielfalt sichtbar machte und dennoch von einer gemeinsamen Grundhaltung getragen war.
Die Feier brachte Menschen aus der ganzen Stadt zusammen – über Kirchgemeinde‑ und Generationengrenzen hinweg. Sie stärkte das Bewusstsein für die gemeinsame spirituelle Basis der reformierten Kirche in Bern und zeigte, wie gemeinschaftlich gestaltete Gottesdienste Identität stiften und verbinden können.
Räume für morgen
Das Jahr 2025 begann mit einem wichtigen Zeichen: Mit der Eröffnung von Wolke 85 in Bümpliz setzte die Gesamtkirchgemeinde Bern früh einen Meilenstein im Bereich Bau und Infrastruktur.
Das Projekt steht exemplarisch für einen zeitgemässen Umgang mit kirchlichen Liegenschaften. Bestehende Räume wurden geöffnet, neu genutzt und stärker auf das Quartier ausgerichtet. Wolke 85 zeigt, wie kirchliche Gebäude zu lebendigen Orten für Begegnung, Nutzung und Zusammenarbeit werden können – und markierte den bewussten Schritt weg von reiner Gebäudeverwaltung hin zu aktiver Raumentwicklung.
Im Verlauf des Jahres rückte mit «Zukunft Frieden Heiliggeist» ein weiteres zentrales Vorhaben in den Fokus. 2025 stand hier im Zeichen der konkreten Planung: Mit dem Start der Projektierungsphase wurde das Projekt von der konzeptionellen Vorbereitung in eine nächste, verbindlichere Phase überführt. Der Grosse Kirchenrat genehmigte den dafür notwendigen Verpflichtungskredit einstimmig. Ziel der Planung ist es, kirchliche Räume langfristig zu sichern und so weiterzuentwickeln, dass sie den Bedürfnissen der fusionierten Kirchgemeinde Frieden Heiliggeist künftig bestmöglich dienen können.
Parallel dazu schritt im Laufe des Jahres die Innenraumsanierung der Kirche Bremgarten sichtbar voran. Die Arbeiten verliehen der ältesten Kirche der Gesamtkirchgemeinde neue Klarheit und Strahlkraft. Bereits während der Sanierung zeigte sich, welches Potenzial in der behutsamen Weiterentwicklung historischer Kirchenräume liegt. Der Abschluss der Arbeiten ist bis Ende November vorgesehen.
Rückblickend machen die Bau‑ und Infrastrukturprojekte des Jahres 2025 deutlich, dass Investitionen in Gebäude stets auch Investitionen in kirchliches Leben sind. Sie schaffen Räume für Begegnung, Spiritualität und gemeinschaftliche Nutzung – und legen zugleich wichtige Grundlagen für die Zukunft der reformierten Kirche in Bern.wachsende Bedürfnis nach religiösem und sozialem Raum im neuen Stadtteil.
Entscheide die Wirkung zeigen – Grosser Kirchenrat 2025
Der Grosse Kirchenrat traf 2025 mehrere Entscheide, die für die reformierte Kirche in Bern spürbare Auswirkungen haben. Im Zentrum stand die Umsetzung der Fusion zur neuen Kirchgemeinde Bern. Damit dieser grosse Schritt gut vorbereitet erfolgen kann, bewilligte der Rat die notwendigen Mittel für Projektsteuerung, rechtliche Klärungen, organisatorische Anpassungen und technische Umstellungen. So wurde sichergestellt, dass der Übergang nicht nur beschlossen, sondern auch sorgfältig und professionell umgesetzt wird.
Ein weiteres wichtiges Thema waren kirchliche Projekte mit gesellschaftlicher Bedeutung. Nach intensiver Diskussion entschied der Grosse Kirchenrat, die Mitfinanzierung des queeren Pfarramts ins Budget aufzunehmen. Der Entscheid machte deutlich, dass gesellschaftliche Entwicklungen, pastorale Anliegen und finanzielle Rahmenbedingungen gemeinsam betrachtet werden müssen – und dass der Rat bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege mitzugehen.
Auch bei den Bau‑ und Infrastrukturprojekten wurden wichtige Beschlüsse gefasst. Der Grosse Kirchenrat genehmigte Kredite für Sanierungen, Investitionen und Erneuerungen kirchlicher Gebäude und Anlagen. Diese Entscheide schaffen die Grundlage dafür, dass Kirchen und Begegnungsorte auch künftig genutzt werden können und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort entsprechen.
Die Finanzen spielten dabei eine Rolle, standen aber nicht im Vordergrund. Budget und Finanzplan wurden verabschiedet und zur Kenntnis genommen – mit dem klaren Bewusstsein, dass die kommenden Jahre umsichtiges Wirtschaften erfordern. Umso wichtiger sind Prioritäten und klare politische Entscheide, wie sie der Grosse Kirchenrat im Berichtsjahr getroffen hat.
Rückblickend zeigte sich der Grosse Kirchenrat 2025 als Gremium, das Verantwortung übernimmt, unterschiedliche Interessen abwägt und Entscheide fällt, die nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern im kirchlichen Alltag Wirkung entfalten.
Der digitale Wandel beschäftigte die Gesamtkirchgemeinde Bern auch 2025 intensiv. Im Zentrum stand dabei nicht die Technik allein, sondern vor allem die Frage, wie Mitarbeitende und Behörden im Veränderungsprozess begleitet werden können. Mit der kulturellen Begleitung des digitalen Wandels wurde bewusst ein Schwerpunkt gesetzt, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Der Kleine Kirchenrat genehmigte 2025 das entsprechende Konzept und gab grünes Licht für die Umsetzung. Ziel ist es, Unsicherheiten abzubauen, Kompetenzen zu stärken und den digitalen Wandel als gemeinsame Entwicklung zu verstehen. Dabei geht es nicht um Leistungsdruck oder Kontrolle, sondern um Unterstützung im Arbeitsalltag – etwa beim Umgang mit neuen digitalen Werkzeugen oder veränderten Abläufen.
Konkret wurden erste Instrumente und Angebote bereitgestellt. Dazu gehören Möglichkeiten zur Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen, Umfragen zur Organisationskultur sowie der Aufbau von Erfahrungsaustausch‑Gruppen. Diese helfen, Erfahrungen zu teilen, Fragen offen anzusprechen und voneinander zu lernen. Ergänzend dazu wurden Weiterbildungsangebote für 2026 vorbereitet, die sich gezielt an Mitarbeitende und Behörden richten.
Mit diesem Schritt wurde ein wichtiger Grundstein gelegt: Der digitale Wandel wird nicht allein technisch umgesetzt, sondern kulturell begleitet. So entsteht Raum für Lernen, Entwicklung und Mitgestaltung – und die Digitalisierung wird zu einem Prozess, den die Organisation gemeinsam trägt.
Kasualien 2025
Kollekte 2025
Mitgliederzahlen
Jahresbericht und Flyer
Jahresbericht 2024: Einblicke in die Vielfalt des Pfarramtes
Editorial
Geschätzte Leserinnen und Leser
Die Vielfalt der kirchlichen Angebote ist fester Bestandteil der reformierten Kirchen in der Stadt Bern und Bremgarten. Diese Mannigfaltigkeit äussert sich in Themen wie „Blick über den Tellerrand – Gespräche zwischen Kirche – Politik – Recht – und Wirtschaft“, „Fenchel für den Frieden“, „Orgelmusik zur Märitzyt“, „Tanzmahl – in die Beats mischen sich in die Worte der Schöpfungserzählung“, „Sommerfest – 75 Jahre Petruskirche“ oder „Jukebox – der Sonntagmorgen mit Zugabe“. Digitalisierung und künstliche Intelligenz mögen unterstützen, aber erarbeitet und durchgeführt werden unsere Angebote durch unsere Mitarbeitenden, freiwilligen Mithelfenden, unsere Pfarrerinnen und Pfarrer sowie durch die Behördemitglieder. Ihnen allen gebührt ein grosses Dankeschön für ihr hohes Engagement zugunsten der Bevölkerung unserer Stadt und Bremgarten sowie für ihre Verbundenheit zu unserer Kirche.
Schwerpunktthema dieses Jahresberichtes bildet das Pfarramt. Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn schreiben im Leitbild für die drei Ämter „Dem Pfarramt ist die Verantwortung übergeben für
- die öffentliche Verkündigung der Frohen Botschaft und die Feier der Sakramente,
- die liturgische Gestaltung von Feiern an Lebensübergängen,
- die Seelsorge und spirituelle Begleitung,
- katechetische und sozialdiakonische Aufgaben,
- die Bildung in der Gemeinde,
- die geistliche Leitung der Gemeinde».
Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer haben eine Vielfalt von Aufgaben zu erfüllen. Im Bericht enthaltende und nachzuhörende Interviews mit vier Pfarrpersonen bestätigen dies. Aus den Antworten der Befragten entnehme ich, dass sich die religiösen Bedürfnisse unserer Gesellschaft verändert haben und demnach das heutige Berufsbild der Pfarrperson nicht mehr demjenigen zu Gotthelfs Zeiten entspricht. Die persönlichen Kontakte und die Beziehungspflege spielen heute eine ebenso wichtige Rolle wie die vorgegebenen Gottesdienste, Kasualien und Bildung. Kasualien werden vermehrt inhaltlich und örtlich auf die Wünsche der Leute zugeschnitten. In einem sind sich die interviewten Pfarrpersonen einig: Wir dürfen einen spannenden, vielfältigen, mit vielen persönlichen Kontakten geprägten Beruf ausüben.
Rudolf Beyeler, Präsident desd Kleinen Kirchenrats
Die sich verändernde Rolle des Pfarramts im städtischen Umfeld
Das Pfarramt stellt Einerseits eine uralte und verblüffend stabile Rolle in einem institutionell festgefügten System dar. Eine Rolle, die auf Predigt und Gottesdienst, Seelsorge und Bildung fokussiert ist. Andererseits spiegelt das Pfarramt kulturelle Veränderungen wider. Dies ist heute nicht anders, wo gesellschaftliche Trends der Pluralisierung, Individualisierung, Säkularisierung und Digitalisierung zu einem Paradigmenwechsel führen. Veränderungen zeigen sich in Städten früher und deutlicher als auf dem Land. Dies gilt auch für das Pfarramt. Wie zeigen sich diese?
Modellcharakter für pastorale Innovationen und Veränderungsprozesse im städtischen Umfeld kommt kirchlichen «Ritualagenturen» zu. Diese spriessen seit rund sechs Jahren aus dem Boden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sich Pfarrpersonen zusammenraufen und die für die Volkskirche typischen Kasualien – Taufe, Hochzeit, Bestattung – über die Kirchgemeindegrenze hinaus organisieren: über eine gemeinsame Webseite und mit grosser Flexibilität bezüglich Ort, Zeit und ritueller Gestalt. Auch kurze Fristen, weite Wege und «coole Locations» werden ohne Murren in Kauf genommen. Ausgehend von den Erfahrungen der Ritualagentur Bern zeichnen sich für das Pfarramt der Zukunft folgende Trends ab:
- Pfarramtliche Arbeit erfolgt zunehmend kooperativ – mit Pfarrkolleg:innen, anderen Berufsgruppen und Ehrenamtlichen.
- Pfarrer:innen sind offen für alle Menschen, die nach dem Grund ihrer Hoffnung fragen (1Petr 3,15) und ihre Begleitung wünschen, nicht nur für ihre Mitglieder. Sie verstehen ihre Tätigkeit als eine diakonische, seelsorgerliche und missionarische (in einem weiten Sinn).
- Sie verstehen sich als Dienstleister:innen, sind an den Bedürfnissen der Menschen interessiert und versuchen diesen flexibel, kreativ, theologisch reflektiert und seelsorglich sensibel zu entsprechen.
- Gestaltungsfreiräume gewinnen für das Pfarramt an Bedeutung. Fixe Zeitvorgaben für einzelne Tätigkeiten erweisen sich dagegen als pastoral dysfunktional.
- Die Person, ihre Prägung und Begabung gewinnen an Gewicht gegenüber dem Amt. Pfarrer:innen sind künftig noch stärker herausgefordert, Gesicht zu zeigen und in Person für eine Sache einzutreten.
- Dabei wird die digitale Präsenz und Ansprechbarkeit für das Pfarramt immer wichtiger.
Mehr zur sich wandelnden Rolle des Pfarramts erfahren Sie in den Interviews mit Pfarrpersonen aus den verschiedenen Quartieren. Die Gespräche geben Einblick in neue pastorale Ansätze, persönliche Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen – und zeigen, wie vielfältig das Pfarramt heute gelebt wird.
David Plüss
Interview mit Sonja Gerber
Interview mit Luzius Rohr
Interview mit Daniel Hubacher
Interview mit Beate Schiller
Wenn eine Beschwerde Projekte ausbremst
Eine eingereichte Beschwerde gegen vier zentrale Beschlüsse des Grossen Kirchenrates – darunter das Budget 2024, ERP+, das Ensemble Markus sowie das Projekt Stadtkloster Frieden – brachte die Gesamtkirchgemeinde Bern zu Jahresbeginn in eine herausfordernde Situation. Die aufschiebende Wirkung der Beschwerde bedeutete: Kein rechtskräftiges Budget, keine neuen Projekte, keine nicht gebundenen Ausgaben.
Für mehrere Monate konnten lediglich unbedingt notwendige Leistungen erbracht werden. Viele Vorhaben, darunter auch Bauprojekte und digitale Entwicklungen, mussten sistiert oder verschoben werden. Die Unsicherheit erschwerte die Planbarkeit auf allen Ebenen und führte zu Verzögerungen und Zusatzkosten – unter anderem durch Vertragsnachverhandlungen oder neu zu terminierende Projektstarts.
Am 10. Juni 2024 wies das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Beschwerde vollumfänglich ab. Dennoch war der Schaden bereits spürbar: Zeitverluste, finanzielle Mehrbelastungen und personeller Mehraufwand prägten die erste Jahreshälfte.
Die Situation zeigte eindrücklich, wie stark kirchliche Prozesse von rechtsstaatlichen Verfahren betroffen sein können – und wie wichtig eine transparente Kommunikation gegenüber allen Beteiligten ist. Gleichzeitig bewiesen die Kirchgemeinden und die Verwaltung der GKG ihre Handlungsfähigkeit: Notwendige Ausgaben wurden umsichtig priorisiert, kreative Zwischenlösungen entwickelt und der Zusammenhalt gestärkt. So wurde auch aus der Krise ein Lernmoment – mit Blick auf künftige Krisenresistenz und noch klarere Abläufe.
Entscheid zur Urnenabstimmung: Fusion Gesamtkirchgemeinde Bern
Am 11. September 2024 beschloss der Grosse Kirchenrat, die Stimmberechtigten der Gesamtkirchgemeinde Bern am 18. Mai 2025 an die Urne zu rufen: Zur Abstimmung steht das Paket zur Fusion der heutigen Gesamtkirchgemeinde mit den zwölf Kirchgemeinden zur neuen «Kirchgemeinde Bern». Damit kommt ein mehrjähriger Arbeitsprozess zu einer wichtigen Etappe.
Der Entscheid folgte auf die Empfehlung des Steuerungsgremiums, das zuvor die rechtlichen Grundlagen und den Erläuternden Bericht bereinigt und verabschiedet hatte. Der Grosse Kirchenrat folgte dem vorgelegten Paket inhaltlich und verzichtete auf Anpassungen – insbesondere beim Abstimmungsquorum und der Anzahl Exekutivmitglieder.
75 Jahre Petruskirche
Die Petruskirche – ein stiller Zeitzeuge im Kirchenfeld
Wer durch das Berner Kirchenfeldquartier spaziert, merkt schnell: Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Breite Strassen, gepflegte Gärten, grosse alte Häuser – ein Quartier mit Geschichte und Stil. Und mittendrin steht sie: die Petruskirche an der Brunnadernstrasse. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar. Doch wer stehenbleibt, entdeckt ein stilles Stück Stadtgeschichte.
Die Kirche wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, zwischen 1947 und 1949. Der Architekt Max Böhm entwarf ein modernes, aber zurückhaltendes Bauwerk mit einem 35 Meter hohen Turm und einer eindrücklichen Reliefplastik von Gustave Piguet an der Vorhalle – sie erzählt vom Leben des Apostels Petrus, dem Namensgeber der Kirche.
Was viele nicht wissen: Die Petruskirche ist eng verknüpft mit der Stadtentwicklung Berns. Das Kirchenfeldquartier war eine bewusste städtebauliche Erweiterung im 19. Jahrhundert – mit breiten Alleen, Sichtachsen zur Altstadt und einer klaren Gliederung rund um drei zentrale Plätze. Es sollte ein Quartier für gut situierte Bürger*innen werden. Und wo Menschen wohnen, soll auch ein Ort für Gemeinschaft sein. So entstand später die Petruskirche als Antwort auf das wachsende Bedürfnis nach religiösem und sozialem Raum im neuen Stadtteil.
Die Kirche war nie nur ein Gotteshaus. Sie war Treffpunkt, Versammlungsort, ein Ort für Rituale und Alltagsnähe. Geprägt wurde diese lebendige Gemeindearbeit in den ersten Jahren besonders durch Pfarrer Klaus Schädelin, der von 1949 bis 1958 an der Petruskirche wirkte. Schädelin war nicht nur Pfarrer, sondern auch Autor des bekannten Jugendbuchs „Mein Name ist Eugen“. Mit seinem feinen Gespür für Humor und Menschlichkeit erreichte er viele – in der Literatur und in der Kanzel. In einem Selbstinterview sagte er einmal:
„Und als ich dann gross war, dünkte es mich oft schade, dass es viel zu wenig lustige Bücher gibt. Denn alle die Buben und Mädchen, die viel Angst haben und traurig sind, die brauchen dann nicht auch noch traurige Bücher!“
(Klaus Schädelin, Quelle: tvz-verlag.ch)
Die Petruskirche bleibt ein lebendiger Ort, der über Generationen hinweg Gemeinschaft stiftet – mitten in Bern.
Bern-Nord ist Realität
Am 21. August 2024 haben die reformierten Kirchgemeinden Johannes und Markus einstimmig der Fusion zur neuen evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Bern-Nord zugestimmt. Damit wurde ein gemeinsamer Weg offiziell besiegelt, der bereits seit mehreren Jahren mit grossem Engagement beschritten wurde.
Die beiden Kirchgemeinden hatten ihre Gottesdienste und Angebote schon länger gemeinsam geplant und durchgeführt. Die Fusion stellte folglich keinen Bruch, sondern die konsequente Weiterführung einer gewachsenen Zusammenarbeit dar.
Mit dem Entscheid wurde die Grundlage für eine neue gemeinsame Organisation geschaffen. Nach der Wahl des neuen Kirchgemeinderats im Dezember 2024 nahm die Kirchgemeinde Bern-Nord ihre operative Tätigkeit im Januar 2025 auf.
Still ruhten die Glocken im Münster
Im Februar wurde es ungewohnt still rund ums Berner Münster: Für gut zehn Tage verstummte das berühmte Geläut – und das aus gutem Grund. In den Glockenstuben fanden umfangreiche Brandschutz-Sanierungen statt. Die alten Elektroinstallationen – einige stammten noch aus den 1940er-Jahren – entsprachen längst nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards.
Was auf den ersten Blick einfach klang, war in Wirklichkeit ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Denkmalpflege, Technik und Sicherheitsvorgaben. Neue Verkabelungen, moderne Sicherungen und eine hochpräzise Glockensteuerung wurden eingebaut. Und damit auch künftig jede Glocke im richtigen Ton schwingt, folgte im Anschluss eine Neuintonation – also ein klangliches Feintuning.
Im Austausch mit Fachleuten aus Paris, Basel und anderen Städten wurde dabei nicht nur Technik, sondern auch Wissen weitergegeben. Ein gemeinsamer Lernprozess – damit der Klang des Münsters auch in Zukunft sicher über die Stadt hallt.
Ökumene: Gemeinsam Strahlkraft entwickeln
Seit über 40 Jahren ist die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bern (AKiB) ökumenisch unterwegs in Bereichen, die die öffentliche Hand zu wenig unterstützt. So sind das HipHop-Center für junge Menschen, die nach Orientierung suchen, das «Betreute Wohnen Albatros» für randständige Menschen, die RBS – Rechtsberatung im Migrationsrecht und vieles mehr entstanden. Die GKG Bern und Umgebung als wichtiges Mitglied der AKiB, ist unter anderem für deren Rechnungsführung zuständig. 2024 hat sie diese grundlegend überarbeitet und zu einem aussagekräftigen Führungsinstrument ausgebaut.
Neu ist der Pilot «Gemeinsam finanzierte Projekte» der römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Gesamtkirchgemeinde Bern. Dazu gehören Angebote wie das TRiiO (niederschwellige Arbeitsintegration), die Kirchliche Gassenarbeit, die Offene Kirche Bern oder die Fachstelle «Ereignisse.ch».
Durch die Ökumene, das Zusammenwirken der christlichen Gemeinschaften, sind alle Beteiligten wirksamer und gewinnen öfters eine Strahlkraft – nicht nur im kirchlichen Feld, sondern vor allem auch im sozialen Raum.
Text: Monika Moritz
Kasualien 2024
Kollekte 2024
Die gesammelte Kollekte betrug im Jahr 2024 CHF 223'802.- (Gottesdienste, ohne Trauerfeiern, Trauungen). Wir bedanken uns herzlich für Ihre Treue!